Medienschau: „Deren Gesellschaftsmodell ist sexistisch, heteronormativ und zum Teil antidemokratisch“

Diesen Samstag zieht wieder der „Marsch für das Leben“ durch Berlin. Eike Sanders und Ulli Jentsch ­wissen, warum Widerstand wichtig ist.
15.09.15

Von Katrin Gottschalk

2008 waren etwa 1000 sogenannte „LebensschützerInnen“ beim „Marsch für das Leben“ dabei. Jetzt sind es schon 4000. Wo kommen die her?
Eike Sanders: Ich denke, da sind viele Menschen, die sich schon länger für das Thema interessieren, aber erst jetzt durch die verstärkte Gemeindearbeit verschiedener Gruppen mobilisiert werden konnten, nach Berlin zu fahren und auf die Straße zu gehen. Ein Aspekt der steigenden TeilnehmerInnenzahl ist sicher auch die professionelle internationale Vernetzung durch den Bundesverband Lebensrecht (BVL), der für den „Marsch“ Busreisen aus anderen Ländern nach Berlin organisiert.

Sie schreiben in Ihrem Buch „Deutschland treibt sich ab“, die „Lebensschutz“-Bewegung sei vor allem christlich motiviert. Ist es nicht verwunderlich, dass diese Gruppe größer wird – wo doch in Deutschland immer mehr Menschen aus der Kirche austreten?
Sanders: Die weltweit am stärksten wachsenden religiösen Bewegungen sind die Pfingstkirchen und die Evangelikalen. Das ist auch in Deutschland so. In Sachsen etwa werden viele neue Gemeinden gegründet, die Kinder- und Jugendarbeit machen und wachsen. Und weil die Evangelikalen die Einzigen innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sind, die neue Mitglieder dazu holen, wird sich die EKD auch nicht so schnell von ihnen distanzieren.

Ulli Jentsch: Das engere Spektrum der „LebensschützerInnen“ sind Familien, oft kommen die Eltern mit ihren Kindern, die sind stark in ihrer Kirchengemeinde verwurzelt. Viele Jugendliche wachsen da also rein. Gerade im ländlichen Raum gibt es dann schon auch sektenhafte Ansätze.

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Missy Magazine vom 15. September 2015