Von Alt-Treptow in den rechten Orbit
Im Herbst sorgte eine von der Linkspartei in Berlin organisierte Informationsveranstaltung zum rechten Medienportal Apollo News für Schlagzeilen. Die Aufregungsmaschine setzte sich in Gang: Hier würde die Pressefreiheit angegriffen und mit Gewalt gedroht. In der Folge kam es zu Drohungen gegen die eingeladene Referentin der Amadeu Antonio Stiftung. Auch das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich mit dem Vorgang. Doch was und wer ist Apollo News eigentlich? Eine kritische Einordnung.
Von der Redaktion Berlin rechtsaußen
Wer durch die beschaulichen Straßen Alt-Treptows spaziert, trifft auf ruhige Mehrfamilienhäuser, Spielplätze, viel Grün und inzwischen auch vermehrt Cafés, Restaurants und kleine Modegeschäfte. Der Stadtteil wählt insgesamt eher links-grün. Es gibt verschiedene Sozial- und Nachbarschaftsprojekte. Soweit, so schön. Dass genau in dieser Nachbarschaft eines der reichweitenstärksten rechten Medienportale des Landes seinen Redaktionssitz hat, überrascht.
Seit 2024 befindet sich hier die Redaktion von Apollo News und das in einem durchaus repräsentativen 180-Quadratmeter großen Loft. Das Portal wurde 2018 zunächst als Schüler*innenblog gegründet. Erfahrungen sammelte das Team um den heutigen Chefredakteur Max Mannhart größtenteils bei Tichys Einblick und später bei Rome Medien. Mannhart war zeitweise Leiter des Blogs Pleiteticker (Vorläufer von NIUS um den ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt), bevor er 2023 Apollo News als eigenständiges Medium neu startete. Inzwischen hat das Projekt eine beachtliche Professionalisierung durchlaufen. Die sehr junge Redaktion umfasst 20 Mitglieder, nach Medienberichten fast alle unter 30 Jahre alt.
Apollo News ist inzwischen eine relevante Stimme in der Symphonie rechter bis extrem rechter Online-Medien und Influencer*innen.
Eine Analyse des Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) zur Bundestagswahl 2025 zählt Apollo News wiederholt zu den meist geteilten »Alternativmedien« auf Telegram, zeitweise noch vor Plattformen wie NIUS, Auf1TV, Tichys Einblick oder der Jungen Freiheit. Apollo News ist inzwischen eine relevante Stimme in der Symphonie rechter bis extrem rechter Online-Medien und Influencer*innen. In Abgrenzung zu journalistischen Medien definiert CeMAS Alternative Medien als »Internet-Outlets, die sich selbst als Medien bezeichnen, aber wenig auf journalistische Standards wie etwa Wahrhaftigkeit, Genauigkeit, Faktenbasiertheit, Quellenprüfung, Unabhängigkeit, Objektivität, Fairness achten«.
Mitte 2025 konnte Apollo News einen bemerkenswerten Neuzugang vermelden. Der vorherige Cicero-Redakteur Daniel Gräber wurde Teil der Apollo-Chefredaktion und ist seitdem dafür verantwortlich, ein Investigativ-Ressort aufzubauen. Gräber (Jahrgang 1980) ist nicht nur deutlich älter als alle bisherigen Redaktionsmitglieder, er dürfte auch der einzige mit einer klassischen journalistischen Ausbildung und Arbeitserfahrung bei etablierten Medien sein. Bekannt wurde Gräber aufgrund seiner Recherchen zu Korruptionsvorwürfen gegen den ehemaligen Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann oder zum von der Ampel-Koalition durchgeführten Atomausstieg. Damals klagte Gräber erfolgreich gegen das von Robert Habeck geführte Wirtschaftsministerium auf Aktenherausgabe bezüglich möglicher AKW-Laufzeitverlängerungen. Auf Bestreben der Unionsfraktion wurde im Nachgang ein Untersuchungsausschuss im Bundestag zum Thema eingesetzt.
In Abgrenzung zu journalistischen Medien definiert CeMAS Alternative Medien als »Internet-Outlets, die sich selbst als Medien bezeichnen, aber wenig auf journalistische Standards wie etwa Wahrhaftigkeit, Genauigkeit, Faktenbasiertheit, Quellenprüfung, Unabhängigkeit, Objektivität, Fairness achten«.
Durch diesen personellen Neuzugang dürfte sich die Arbeitsweise von Apollo News weiter professionalisieren. In einem als Video-Podcast veröffentlichten Gespräch mit Mannhart machte Gräber deutlich, dass er den Kurs gegen die etablierte Presselandschaft weiterführen wird. Dem Spiegel etwa wirft er einen »relotiusartigen Schönschreib-Wohlfühl-Linksgrün-Blasenjournalismus« vor.
Wie finanziert sich Apollo News?
Laut eigener Aussage finanziert sich Apollo ausschließlich über Spenden und Werbeeinnahmen. Getragen wird das Portal von der Apollo Medien GmbH. Hauptgesellschafter ist mit 67,2 Prozent[1] Mannhart. 15,0 Prozent und damit die zweitmeisten Anteile hält die in Liechtenstein ansässige Crocodile Capital GmbH.
Neben der Apollo Medien GmbH ist die gemeinnützige Apollo Seminare gUG für die Durchführung von Journalismus-Seminaren zuständig. Deren Ziel sei »die Förderung der Volks- und Berufsbildung […] durch das Betreiben eines Weblogs und die Verfassung, Überarbeitung und Veröffentlichung von Artikeln, Videos und anderen Medienprodukten« sowie die »Durchführung von Veranstaltungen der beruflichen Fort- und Weiterbildung insbesondere im Bereich der publizistischen und politischen Jugendarbeit«. Damit überschneidet sich der (gemeinnützige) Zweck der gUG bezüglich der publizistischen Arbeit mit dem der nicht gemeinnützigen Apollo Medien GmbH.
Das Journalismusfachblatt Medium Magazin schätzte Anfang 2025[2], dass Apollo monatlich einen »mittleren fünfstelligen Betrag für 15 festangestellte Redaktionsmitglieder, weitere fünf freie Autoren sowie die Betriebskosten« aufwenden müsse. Die Werbeplätze auf Apollo News reichen von der klassischen Online-Bannerwerbung, über Platzierungen in Videos bis hin zu gesponserten Artikeln und einem ganzen Homepage-Takeover. Werbefrei gibt es Apollo-News nur für Leser*innen, die mindestens ein Basis-Abo abschließen. Zu den regelmäßigen Werbepartnern gehören die Firma Kettner Edelmetalle (inkl. Werbeclips mit Dieter Bohlen) und der Schreibwarenhandel Hörner, die auch auf anderen rechten Kanälen Anzeigen platzieren. Große Firmen, Banken und sogar eine Krankenkasse werben ebenfalls auf dem Portal.
Inhalte und Tonfall
Apollo sieht sich selbst als »Underdog« und moniert, dass sich zu viele Journalist*innen dem politischen Machtzentrum in Berlin angenähert hätten. Damit geriert sich die Redaktion wie viele andere rechte Medien als Teil einer unangepassten und gegen die Herrschaft der »Mächtigen« gerichteten Gegenöffentlichkeit. Die Selbstdarstellung (extrem) rechter Akteur*innen ist nicht selten strategisch gewählt. Mannhart beschreibt die politische Verortung von Apollo News gegenüber dem Medium Magazin als »bürgerlich und liberal-konservativ«. Wikipedia wirft den Begriff »rechtslibertär« in den Ring. Ein Zeit-Artikel resümiert »Jung, gebildet, rechts«. Abgearbeitet wird sich an den gängigen Feindbildern der konservativen bis extremen Rechten: Migration und Kriminalität (gern in Kombination), die Grünen und Klimapolitik, der öffentlich-rechtliche Rundfunk, queere Lebensentwürfe und Genderpolitik sowie selbstverständlich Linke und alle, die sich als antifaschistisch verstehen. Anders als weite Teile der deutschen extremen Rechten ist Apollo durchaus kritisch gegenüber Putin und solidarisiert sich mit der Ukraine. Ähnlich wie NIUS und Teile der AfD gibt Apollo sich zudem israelfreundlich und kritisiert Antisemitismus, sofern man diesen bei muslimischen Migrant*innen und Linken verorten kann.
Abgearbeitet wird sich an den gängigen Feindbildern der konservativen bis extremen Rechten.
»Rechtslibertär« ist als inhaltliche Klammer durchaus angemessen. In diesem Zusammenhang ist libertär nicht etwa als Synonym für anarchistisch zu verstehen, sondern meint ultra-neoliberale Ansichten. Diese laufen darauf hinaus, staatliche Befugnisse und Funktionen auf ein absolutes Minimum zusammenzukürzen. Dies betrifft nicht zuletzt den sozialen und kulturellen Bereich.
»Bürgerlich, ruhig« wie es die Zeit formulierte, ist der Ton bei Apollo mitnichten. Zwar können sich die Redakteur*innen durchaus gepflegt artikulieren, wenn dies gewünscht ist. Häufig ist der Ton jedoch gereizt, polemisch oder schlicht beleidigend. Die Linken-Politikerin Heidi Reichinnek bezeichnete man dort etwa als »trotziges Pferdemädchen im Gewand einer Vorstadt-Rockgöre mit ADHS«, an deren »Anblick« man »sich im Bundestag wohl vorerst gewöhnen« müsse. Dabei ist Apollo stets auf der Suche nach dem nächsten Aufreger-Thema, um Aufmerksamkeit zu generieren.
»Bürgerlich, ruhig« wie es die Zeit formulierte, ist der Ton bei Apollo mitnichten. Zwar können sich die Redakteur*innen durchaus gepflegt artikulieren, wenn dies gewünscht ist. Häufig ist der Ton jedoch gereizt, polemisch oder schlicht beleidigend.
Mit Apollo News hat sich in Berlin neben NIUS ein weiteres bundesweit berichtendes Kampagnenportal etabliert, das erfolgreich rechte Narrative bedient und diese in großem Umfang medial verstärkt. Dabei erreicht Apollo offenbar nicht nur die übliche Klientel der AfD und ihrer Wähler*innen, sondern auch Teile der Union. Als Beispiel kann die Debatte im Vorfeld der gescheiterten Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Bundesverfassungsrichterin gelten. Gezielt säten Alternativmedien, rechte Influencer*innen und die AfD Zweifel an der Eignung der Rechtswissenschaftlerin. Ausgangspunkt war laut einer Analyse des Thinktanks Polisphere ein Apollo-Artikel. Es folgten Beiträge von NIUS, Tichys Einblick, Junge Freiheit, Compact und Auf1.
Ähnlich wie dessen Erfolg dürfte die Kritik an Apollo News mittelfristig jedenfalls nicht abflauen. Es gilt, die Mechanismen hinter rechten Kommunikationskampagnen offenzulegen und als solche klar zu benennen.
Eine längere Version dieses Artikels erscheint Ende Januar auf unserem Blog Berlin rechtsaußen. Diese geht noch ausführlicher auf die Organisation und Inhalte von Apollo News ein. 
- ↑ Die Angaben wurden auf eine Stelle nach dem Komma gerundet.
- ↑ Castell (von), Frederik/ Völlinger, Veronika: Raketenstart in die rechte Umlaufbahn. In: Medium Magazin 01/2025. Der Artikel des Medium Magazins ist die bisher umfangreichste Recherche zu Apollo News und als weiterführende Lektüre unbedingt zu empfehlen. Alle weiteren Zitate des Magazins beziehen sich auf diesen Text.