Von Artam bis Zündstoff

Die vielfältigen Bestände des apabiz

Seit seiner Gründung sammelt das apabiz kontinuierlich jede Veröffentlichung von und über die extreme Rechte. Dabei beschränken wir uns weder auf Deutschland als Herkunftsland noch auf extrem rechte Parteien und Neonazis. Wir versuchen das gesamte politische rechte Spektrum in all seine Facetten zu sammeln und in dem Bestand des apabiz abzubilden. Inzwischen ist das apabiz wohl zur umfangreichsten frei zugänglichen Sammlung zur Thematik rechte Strukturen und Ideologien in Deutschland nach dem Ende des Nationalsozialismus geworden. Das konnte nur durch die Kooperation mit anderen und die kontinuierliche Arbeit des apabiz ermöglicht werden.

An Universitäten und Hochschulen werden den Studierenden und Wissenschaftler_innen nur wenige bis gar keine Publikationen der extremen Rechten zur Verfügung gestellt. Sogenannte »Graue Literatur« wie neonazistische Fanzines oder Kleinstschriften fehlen ganz. Doch nicht nur für die Wissenschaft sondern auch für die journalistische und politische Auseinandersetzung mit der extremen Rechten ist eine quellennahe Arbeit, die sämtliche Arten von Primärquellen berücksichtigt, eine wichtige Grundlage. Deswegen archiviert das apabiz nicht nur Bücher und Broschüren der extremen Rechten: Gesammelt wird alles, vom Aufkleber einer neonazistischen Kameradschaft bis zu den Zeitschriften einer rechten Kleinstpartei in Osteuropa, vom Flugblatt der »Lebensrechtler« bis zum »Thor Steinar«-Feuerzeug. Und außerdem sind die gesamten Bestände, Archiv und Bibliothek, allen Interessierten öffentlich zugänglich.

Bibliothekarische Sammlung

Unsere Bibliothek besteht derzeit aus etwa 15.000 Medieneinheiten, zu denen Bücher, Broschüren sowie CDs und Videos gehören. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt hierbei auf Veröffentlichungen von und zur extremen Rechten nach 1945 und ihren Ideologien wie Rassismus und Antisemitismus. Natürlich sind darüber hinaus auch zahlreiche wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Veröffentlichungen zum Nationalsozialismus in der Bibliothek zu finden. Die Bibliothek ist unterteilt in die Bereiche Primär- und Sekundärliteratur, die Primärliteratur nochmals in die historische Phasen vor und nach 1945. Die Bibliotheksbestände aus dem NS bzw. der Weimarer Republik bestehen überwiegend aus der Abgabe von Dubletten anderer Bibliotheken oder Schenkungen von Einzelpersonen. So befinden sich beispielsweise einige Bücher aus der »Kanzlei des Führers der NSDAP« in unserer Bibliothek .Das Hauptinteresse unserer Arbeit innerhalb der Primärliteratur liegt aber auf den Veröffentlichungen rechter Verlage und Personen nach dem Ende des Nationalsozialismus. Auch hierbei ist das apabiz aufgrund des hohen Kostenaufwandes immer wieder auf Schenkungen angewiesen, um diese teilweise schwer zu beschaffende Literatur zugänglich zu machen. Bücher und Broschüren, die keine Veröffentlichungen der extremen Rechten in Deutschland darstellen, befinden sich im Bereich der Sekundärliteratur der Bibliothek. Neben Ankäufen, Schenkungen und Belegexemplaren von Nutzer_innen befinden sich hier vor allem die Rezensionsexemplare, die wir für Besprechungen in unserem Rundbrief monitor erhalten. Die bibliothekarischen Bestände des apabiz sind seit dem Mai 2011 in unserem Online-Bibliothekskatalog unter http://bibliothek.apabiz.de frei recherchierbar. Ergänzend dazu haben wir derzeit über 700 von insgesamt etwa 3.000 Zeitschriften unseres Bestandes an die Zeitschriftendatenbank (ZDB), dem zentralen Nachweis der meisten deutschen Bibliotheken, gemeldet. Um eine Nutzung der Bibliothek für alle gewährleisten zu können, ist diese eine Präsenzbibliothek. Einzige Ausnahme bilden unsere Fördermitglieder und Kooperationspartner_innen, die Bücher und Broschüren kurzzeitig ausleihen dürfen.

Vollständigkeit anvisiert

In der täglichen Arbeit des apabiz nehmen die umfangreichen Archivbestände zu extrem rechter Organisierung und Strukturen nach 1945 eine zentrale Rolle ein. Wir beschränken uns dabei weder auf Deutschland noch auf einen bestimmten inhaltlichen Teilaspekt des gesamten politischen rechten Spektrum. Lag beim eigenen Sammeln zu Beginn des apabiz der Schwerpunkt auf neonazistischen Strukturen und extrem rechten Parteien, so versuchen wir heute das gesamte Spektrum abzudecken. Die Bestände umfassen derzeit etwa 60.000 Dokumente, wobei darunter auch etwa 2.700 Zeitschriften und Zeitungen mit über 30.000 Ausgaben fallen, sowie eine Reihe von Flugblättern und Plakaten. Der Schwerpunkt liegt hierbei vor allen auf Veröffentlichungen der letzten drei Jahrzehnte, durch die Übernahme von Beständen des Otto-Stammer-Zentrums konnten andere Zeiträume erschlossen werde. In den letzten Jahren werden im apabiz nicht nur Materialien aus Papier gesammelt, sondern auch vermehrt elektronische Veröffentlichungen wie Musik von Rechtsrockbands oder die Internetseiten aus dem In- und Ausland. Die Sicherung dieser digitalen Quellen erfordert einen höheren technischen und zeitlichen Aufwand als man annehmen mag.

Sondersammlungen und Schenkungen

Ein neues Themenfeld ist in den letzten Jahren auch hinzugekommen: Der Aufbau einer Kinder- und Jugendbibliothek. Für die verschiedenen Altersgruppen sammeln wir Literatur und Sachbücher zu den Themen historischer Nationalsozialismus, aktueller Neonazismus, Rassismus und Antisemitismus. Perspektivisch wollen wir Leihkisten für Kitas, Schulen oder andere Kinder- und Jugendeinrichtungen bereithalten, mit denen beispielsweise Projekttage an Schulen altersgerecht und spannend gestaltet werden können. Als Schenkung oder Dauerleihgabe bekommen wir Materialien von Einzelpersonen und Projekten. So befindet sich seit 1999 das Redaktions- und Fotoarchiv der 1989 ein-gestellten »Deutschen Volkszeitung« (DVZ) in unseren Räumen. Neben einigen Sammlungen zu Teilaspekten, wie etwa zu rechten »Lebensschützern«, konnten 2008 Teilbestände des Otto-Stammer-Zentrums der Freien Universität Berlin als größte Sondersammlung in das apabiz übernommen werden. Die Sammlung des Rechtsextremismusforschers Richard Stöss stellt wohl den umfassendsten Materialbestand von rechten Strukturen und Parteien nach 1945 in Deutschland dar. Durch die Übernahme dieser einzigartigen Primärquellen sind sie nun wieder Forscher_innen und Interessent_innen zugänglich und ergänzen unseren bisherigen Bestand. Glücklicherweise war der Großteil der über 150 laufenden Regalmeter erschlossen und konnte problemlos als Sonderbestand in das Archiv integriert werden.

Vernetzung

Ohne Vernetzung ist eine Bearbeitung dieses breiten Themenspektrums über einen längeren Zeitraum nur schwer machbar. Mit einer Reihe von Einzelpersonen und Projekten wie Archiven und Bibliotheken arbeiten wir seit Jahren intensiv zusammen. Im organisatorischen Rahmen beteiligen wir uns an der Vernetzung der Freien Archive, sowie seit 2010 auch an der Arbeitsgemeinschaft der Gedenkenstättenbibliotheken (AGGB). Stellvertretend sei an dieser Stelle dem Leo-Trepper-Archiv und der Zeitgeschichtlichen Dokumentationsstelle Marburg (ZDM) gedankt.