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Berlin, Frankfurt am Main, 24.05.2007
Umfangreiche Aktivitäten der neonazistischen Heimattreuen Deutschen
Jugend (HDJ) in Hessen und Franken
Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum (apabiz), Berlin
und
Antifaschistisches Infobüro Rhein-Main, Frankfurt am Main
informieren
Heute abend, 21.45 Uhr, wird das Fernseh-Magazin Panorama über die
Umtriebe der Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) berichten. Die HDJ ist
eine Jugendorganisation, die es sich zur Aufgabe macht, nach Vorbild der
Hitler-Jugend (HJ) und der 1994 verbotenen Wiking-Jugend Kinder und Jugendliche
in nationalsozialistischer Ideologie zu schulen. Unter dem Deckmantel
der „Brauchtumspflege“ führt sie hierzu u. a. sogenannte
Heimabende, Fahrten, Lager, Schulungsveranstaltungen aber auch paramilitärische
„Wehrübungen“ durch.
Am kommenden Wochenende steht das diesjährige (bundesweite) Pfingstlager
der HDJ an. Am Pfingstlager im Jahre 2005 in Franken nahmen 250 Personen
teil.
Das apabiz, das Bündnis gegen Rechts Aschaffenburg und das Antifaschistische
Infobüro Rhein-Main beobachten die HDJ seit Jahren und stehen darüber
in engem Austausch. Von den HDJ-„Einheiten“ Hessen und Franken
konnten wir ab dem Jahre 2005 über 30 derartige Veranstaltungen feststellen,
an denen in vielen Fällen eine große Anzahl Minderjähriger
teilnahmen.
Die HDJ-“Einheit Hessen“ nutzt für derartige Aktivitäten
neben Privatgrundstücken insbesondere Grillhütten und Selbstversorger-Häuser
im hessischen Westerwald, dem Hochtaunuskreis und der Region Limburg.
Von Vermietern und Trägern dieser Einrichtungen wird die HDJ meist
aus Unkenntnis als „Pfadfindergruppe“ wahrgenommen.
Die Einheit Franken hat Schwerpunkte in den Kreisen Miltenberg, Aschaffenburg,
Main-Spessart und Ansbach. In diesen Regionen stehen ihnen mehrere private
Häuser und Grundstücke zur Verfügung.
Nachfolgend erhalten Sie einen Bericht des Antifaschistischen Infobüros
Rhein-Main, der Ihnen nähere Informationen über Aktivitäten,
Struktur und personelle Zusammensetzung der HDJ in Hessen liefert.
Wir verweisen auf das Bestreben der Aktivisten aus HDJ und ihrem Umfeld,
gemeinnützige Vereine zu schaffen (z.B. Deutsches Notopfer Hilfswerk
im Kreis Limburg, Hessen) oder sich im lokalen Vereinswesen (z.B. Sportvereine
und Musikvereine in Unterfranken) zu engagieren.
Trotz umfangreicher Aktivitäten der HDJ in Hessen und Bayern finden
sich in den alljährlichen Berichten der Landesverfassungsschutzämter
keinerlei (!) Hinweise auf diese Gruppe. Selbst bei Ermittlungen gegen
HDJ-Aktivisten wegen begangener Straftaten wurde bisher kein organisatorischer
Zusammenhang gesehen bzw. eingeräumt.
Michael Weiss (apabiz) dazu: „Die Heimattreue Deutsche Jugend ist
ein Beispiel, wie sich Neo-Nationalsozialisten hinter bürgerlichen
Fassaden verstecken und ohne öffentliche Wahrnehmung Kinder ideologisch
und paramilitärisch schulen. Dieser Zustand muss beendet werden.“
Für weitere Auskünfte steht unser Büro zur Verfügung.
Gerne vermitteln wir Ihnen Ansprechpartner in den jeweiligen Regionen.
Mit freundlichen Grüßen
Michael Weiss (apabiz)
Andreas Stein (Antifaschistisches Infobüro Rhein-Main) (infobuero
at gmx.de)
--
apabiz e.V.
antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e.V.
lausitzer str. 10 | 10999 berlin
fon / fax 030-611 62 49 | mail at apabiz.de
www.apabiz.de | www.turnitdown.de | www.whatwecando.de
Stellungnahme des Antifaschistischen Infobüros Rhein-Main
Veranstaltungen der neonazistischen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ)
in den Regionen Limburg, Westerwald, Hochtaunus
Gemeinnützig anerkanntes Deutsches Notopfer Hilfswerk (DNHW) mit
Sitz in
Waldbrunn unterhält enge Kontakte in die neonazistische Szene
Schwerpunkte der Aktivitäten der HDJ-Einheit Hessen lagen in den
letzten zwei Jahren
- in der Region Limburg (z.B. im April 2006: Osterlager Süd in
einem Selbstversorgerhaus in Dornburg Frickhofen),
- im hessischen im Westerwald (z.B. Februar 2004: Heimnachmittag in
der Grillhütte
Driedorf-Waldaubach und Oktober 2005: Erntedankfeier),
- im Hochtaunuskreis (z.B. im Februar 2005: Treffen und März 2005:
Familientreffen, jeweils in der Grillhütte in Waldsolms-Kröffelbach)
- sowie im bayerischen Spessartort Obersinn (z.B. November 2004: Herbstseminar,
Juni 2005: Einheitstreffen, jeweils auf einem Privatgrundstück).
Von der HDJ führen enge Verbindungen zum Deutschen Notopfer Hilfswerk
(DNHW). Das DNHW wurde Anfang 2005 gegründet, hat seinen Sitz in
Waldbrunn-Ellar, ist in Limburg ins Vereinsregister eingetragen (27.04.05
VR 1358) und dort aufgrund der "Förderung mildtätiger Zwecke
und wegen Förderung des traditionellen Brauchtums und der Heimatpflege"
als gemeinnützig anerkannt.
Laut Selbstdarstellung ist das DHNW „eine wohltätige deutsche
Vereinigung, um in Not und Elend geratene Deutsche - insbesondere Kindern
und Familien - zu helfen.“ Der Blick hinter die Kulissen macht deutlich,
worum es dem Verein geht.
Die neofaschistische Zeitung „Recht und Wahrheit“ bewarb den
Verein bei seiner Gründung als „die erste, rein deutsche Vereinigung
zur Hilfe in Not und Elend geratener Deutscher in der BRD - und zwar nur
Deutscher, da gerade sie oft vernachlässigt werden“ und rief
dazu auf, dem Verein Lebensmittel, Kleidung und insbesondere auch Lagerhallen
und Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen.
Was der Verein mit Lagerhallen und Fahrzeugen alles plant und welche Aktivitäten
er derzeit entfaltet, ist nicht klar. Offen liegt jedoch die personellen
Verflechtung mit der HDJ und der als „kriminelle Vereinigung“
verurteilten Kameradschaft Westerwald.
Stellvertretender Vorsitzender des DNHW ist der 49-jährige Michael
Müller aus Driedorf- Waldaubach (1), der Ende 2005 vom Landgericht
Koblenz zu einer Bewährungsstrafe von 21 Monaten verurteilt wurde,
da er sich als aktives Mitglied der Kameradschaft Westerwald an Straftaten
der Gruppe beteiligt hatte. Die Staatsanwaltschaft Koblenz stellte 2005
fest, die Kameradschaft Westerwald hätte zum Ziel gehabt, „die
freiheitlich demokratische Grundordnung zu beseitigen und einen Nationalsozialismus
nach Vorbild des Dritten Reiches (...) zu errichten“ (2).
Der Stiefsohn des Michael Müller, Andreas G. aus Driedorf-Waldaubach,
wurde 2004 zusammen mit Annika R. aus Alzenau zum „Einheitsführer“
der HDJ in Hessen „befördert“. (3) Der administrative
Ansprechpartner der Vereins-Domain www.dnhw.de ist Michael Gellenthin
aus Oberdachstetten
(Mittelfranken), der Bundesgeschäftsführer der HDJ.(4)
Die Aktivitäten von HDJ und DNHW wurden bislang in den hessischen
und bayerischen Verfassungsschutzberichten verschwiegen. Selbst in einer
83-seitigen Antwort der hessischen Landesregierung auf eine große
Anfrage mehrerer SPD-Abgeordneter betreffend Rechtsextremismus in Hessen
(Landtagsdrucksache 16/6093) vom 29.09.2006 findet sich kein Hinweis auf
die HDJ und das DNHW. Der Verfassungsschutz muss erklären warum.
Wir fordern:
- Der Zustand, dass ein Verein, der offensichtlich mit der Neonaziszene
verwoben ist, den Status der Gemeinnützigkeit inne hat und somit
steuerlich absetzbare Spenden entgegen nehmen kann, muss von Seiten
der zuständigen Behörden schnellstens beendet werden.
- Kommunen und Vereine als Träger und/oder Vermieter von Grillhütten
und Selbstversorgerhäusern müssen über die HDJ informiert
werden. Es muss verhindert werden, dass neonazistische Gruppen ihre
Freiräume auf dem Grund und Boden von gemeinnützigen Trägern
und Kommunen finden.
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Quellen / nähere Ausführungen:
(1) Michael Müller ist bzw. war sehr wahrscheinlich Mitglied der
neonazistischen, vom bekannten Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger geleiteten,
Artgemeinschaft sowie der Hilfsorganisation für nationale politische
Gefangene und deren Angehörige e.V. (HNG), eine der wichtigsten und
mitgliedsstärksten Organisation der deutschen Neonazis. In Zeitschriften
der Artgemeinschaft sowie der HNG finden sich Bekanntmachungen und Glückwünsche
zur Hochzeit von Michael Müller und Christine G. sowie zu den Geburten
der gemeinsamen Kinder 1995 und 1998. Dabei werden Michael Müller
und seine Ehefrau u. a. als „unsere Kameraden“ benannt.
(2) Staatsanwaltschaft Koblenz, Information für die Presse Nr. 028/2005,
www.justiz.rlp.de/justiz/sub/070/0705ca47-2477-701c-5ec3-f1f9f9d3490f,,,fff70d73-d8a9-51fc-889b-3bb63b81ce4a.htm
(3) In einem internen Bericht der HDJ heißt es: „An diesem
Wochenende fand in Franken das Herbstseminar der HDJ statt. Neben Unterrichten
über Menschenführung, Rhetorik, Lagersicherheit, Argumentation
und Heimabendgestaltung fand am gestrigen Nachmittag auch der alljährliche
Bundesjugendtag statt. Beschlossen wurden u.a. die Termine für das
kommende Fahrtenjahr, die demnächst in Form des Fahrtenplanes an
alle Kameraden verschickt werden. Außerdem wurden die Kameraden
Denis und Tomi aus der Einheit Preußen zu Unterführern ernannt.
Ihr dauerhafter, aktiver Einsatz u.a. in der Organisation und Durchführung
von regelmäßigen Heimabenden ließen entsprechende Eignung
erkennen.
Desweiteren wurden Annika und Andreas G. aus der Einheit Hessen, sowie
Frauke aus der Einheit Franken zu Einheitsführern befördert.
Ihnen wünschen wir an dieser Stelle bei der weiteren Erfüllung
ihrer kommenden Aufgaben und Pflichten viel Erfolg.“
(4) www.apabiz.de/archiv/material/Profile/HDJ.htm
und auch Antifaschistisches Infoblatt Nr. 58, S. 20 (abrufbar unter: www.nadir.org/nadir/periodika/aib/archiv/58/18.pdf)
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Aktivitäten der HDJ-Einheiten Hessen und Franken ab 2004 (Auswahl):
- Winterseminar der Einheit Franken in Mittelfranken mit Themen wie
„Wachschutz u. Sicherheit auf Lagern“ und Volkstanz (Februar
2004)
- Treffen / Heimnachmittag der Einheit Hessen in Driedorf-Waldaubach
(Februar 2004)
- Osterradtour der Einheit Franken durch Main- und Taubertal, von Weilbach
nach Buhlsbach/Ansbach, insgesamt 250 Kilometer. Abzeichen der „Stundenschwimmer“
bzw. „Totenkopfschwimmer“ wurde abgelegt. (April 2004)
- Sommerlager / Sommersonnwendfeuer der Leitstellen Süd und West
bei Ansbach (Juni 2004)
- Kanufahrt der Einheit Franken in Oberfranken (Juni 2004)
- Erntedankfest der Einheiten Franken und Hessen bei Ansbach (Oktober
2004)
- Herbstseminar der Einheit Hessen auf einem Privatgrundstück
in Obersinn / Unterfranken, Themen: Menschenführung, Rhetorik,
Lagersicherheit (November 2004)
- Heldengedenkfeier der Einheit Franken am Grab des Ritterkreuzträgers
Hans Ulrich Rudel in Dornhausen / Mittelfranken / (November 2004)
- Flugblattaktion (1500 Flugblätter) der Einheit Franken zum Volkstrauertag.
(November 2004)
- Gedenken zum Volkstrauertag der Einheit Hessen, Soldatenfriedhof
nahe Butzbach (November 2004)
- Familientreffen und Heimatabend der Einheit Hessen in Kröffelbach/Hochtaunuskreis
(Februar 2005)
- Winterseminar mit Funkschulung und Schulung in KfZ-Kolonnenfahren
in Obersinn (März 2005)
- Treffen der Einheit Hessen in Kröffelbach, Geländespiele
(März 2005)
- Osterlager der Einheit Hessen (April 2005)
- bundesweites Pfingstlager mit 250 Teilnehmern in Franken (Juni 2005)
- Kanufahrt auf der Kocher der Einheit Hessen (Juni 2005)
- Erntedankfeier der Einheiten Hessen und Franken im Westerwald (Oktober
2005)
- Heldengedenken der Einheit Franken in Ansbach (November 2005)
- Erntedankfeier der Einheiten Hessen und Franken im Westerwald (Oktober
2005)
- Winterseminar der Einheit Franken in Rothenburg ob der Tauber (März
2006)
- Osterlager Süd in Dornburg-Frickhofen / Lkr. Limburg-Weilburg
(Juni 2006)
- Volkstanzseminar der HDJ auf Burg Hessenstein / Hessen (April 2007)
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