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27.02.2006
Zahlen und Fakten zu Rechtsrock in Deutschland
Ein Rückblick von apabiz, Der Rechte Rand und Argumente und Kultur
gegen Rechts
In Deutschland hat im letzten Jahr die Zahl neonazistischer Konzerte
stark zugenommen. Mindestens 255 derartige Konzerte wurden durchgeführt,
was eine Steigerung von 65% im Vergleich zum Vorjahr (155 Konzerte) bedeutet.
Schwerpunkte der Konzertaktivitäten lagen in Sachsen (78 Konzerte),
wo sich die Zahl im Vergleich zum Jahr 2004 verdreifacht hat, Thüringen
(31), Bayern (31) und Baden-Württemberg (26). Der unmittelbare Zusammenhang
zwischen der Schaffung von Freiräumen, der Durchführung von
Konzerten und der Etablierung neonazistischer Bands und Kameradschaften
kann durch aktuelle Beobachtungen in diesen Bundesländern nachdrücklich
bestätigt werden.
Die gestiegene Anzahl neonazistischer Konzerte ist insbesondere darauf
zurückzuführen, dass die Koppelung von „politischen“
und „kulturellen“ Aktivitäten für neonazistische
Gruppen zum Standard geworden ist. Gleichzeitig findet eine Entkoppelung
neonazistischer Cliquen und Freundeskreise von Führungssystemen der
Szene statt. Diese organisieren „ihre“ Konzerte zunehmend
selbst, stets im privat deklarierten Rahmen und bisweilen nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda
beworben. In einer wachsenden Anzahl von Orten konnten Neonazis neue Freiräume
erschließen, die als „Clubhäuser“ oder Kameradschaftstreffpunkte
dienen und u. a. zur Durchführung von Konzerten genutzt werden.
Deutsche Neonazibands veröffentlichten letztes Jahr 124 CDs, die
Zahl der in Deutschland herausgegebenen CDs ausländischer Neonazibands
ist mit 38 deutlich höher als 2004 (20). Erkenntnisse über Produktionszahlen
lassen die bisher angenommene durchschnittliche Auflagenhöhe von
3.000 pro CD zu niedrig erscheinen. Die Marktführer im Geschäft
mit neonazistischer Musik, Bekleidung und Accessoires erzielten 2005 Jahresumsätze
von jeweils mehr als 500.000 Euro
Signifikant ist der Zusammenhang zwischen neonazistischem Strukturaufbau
und den Handlungsdefiziten politischer Entscheidungsträger. Dort,
wo das Problem nicht erkannt oder verschwiegen wird, wo kein zivilgesellschaftlicher
Widerstand und keine Gegenkultur unterstützt wird, können die
Neonazis fast ungehindert Freiräume schaffen.
Die Zahlen des Jahres 2005 zeigen deutlich: Die Neonazis haben sich in
Parallelwelten eingerichtet, in denen es ihnen möglich ist, eine
kontinuierliche Erlebniswelt anzubieten und den steten Nachschub an musikalischer
Propaganda zu organisieren. Die Integration und Versorgung des Umfelds
ist darüber flächendeckend gewährleistet.
Eine ausführlichere Fassung des Jahresrückblicks als pdf-Dokument
(156 KB), erstellt vom apabiz, der Zeitung Der Rechte Rand und von Argumente
und Kultur gegen Rechts e.V., findet sich ->
hier (154 kB)
Für Rückfragen steht das apabiz zur Verfügung.
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