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17.8.2000
Bereitet Neonaziführer Oliver Schweigert Internet-Aktivitäten
vor?
Auch die Berliner Kameradschafts-Szene beteiligt sich an den neonazistischen
Internet-Aktivitäten. Nach Erkenntnissen des APABIZ - Antifaschistisches
Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin e.V. besucht der stadtbekannte
Neonaziführer Oliver Schweigert seit August 1999 eine Fortbildungsmaßnahme
zum IT- Techniker.
Oliver Carsten Schweigert gehört seit den späten achtziger
Jahren zu den einflußreichsten Mitgliedern der Berliner Neonazi-Szene.
Als Westberliner Führungskader der Gesinnungsgemeinschaft der Neuen
Front (GdNF) um den verstorbenen Michael Kühnen, Mitglied in der
verbotenen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) und Parteivorsitzender
der inaktiven Nationalen Alternative (NA) war Schweigert an allen wesentlichen
Organisationen der Neonazis beteiligt. Oliver Schweigert ist Drahtzieher
der sogenannten „Anti-Antifa“-Kampagne in Berlin, auf seine
Wehrsportaktivitäten und seine Gewaltbereitschaft wurde mehrfach
hingewiesen. In den letzten Jahren ist Schweigert zum Anführer der
sogenannten „Freien Kameradschaften“ in Berlin aufgestiegen.
Er meldete in den vergangenen Monaten u.a. die Gedenkdemonstrationen und
Mahnwachen für den SA-Mann Horst Wessel und die untersagte Rudolf-Hess-Demonstration
an. Laut einer Verbotsverfügungen der Innenbehörde aus dem Februar
2000 wurden in den Jahren 1998 und 1999 sieben Ermittlungsverfahren gegen
Schweigert eingeleitet. (weitere Aktivitäten können der beigefügten
Biographie entnommen werden).
Nach Erkenntnissen des APABIZ wird die Fortbildungsmaßnahme von
einem Träger in Berlin-Neukölln durchgeführt und vom Arbeitsamt
finanziert. „Durch diese Fortbildung“, so steht in der Maßnahmenbeschreibung,
„erarbeiten Sie sich eine sehr gute Startposition für Ihren
Wiedereinstieg ins Berufsleben.“
Dazu ein Sprecher des APABIZ: „Es ist nach allen Erfahrungen zu
erwarten, dass Oliver Schweigert sein neu erworbenes Wissen für die
Verbreitung von rechtsextremem Gedankengut im Internet verwenden wird.
Oliver Schweigert hatte sich schon Anfang der neunziger Jahre an Vernetzungsversuchen
der Neonazi-Szene über den Thule-Mailbox-Verbund beteiligt. Auch
aus dem Jahre 1999 sind Diskussionsbeiträge von Schweigert unter
den Pseudonymen „Pittiplatsch“ und "Pitti88" im
Internet bekannt.“
An neonazistischen Aktivitäten im Internet bastelt auch die Ehefrau
Schweigerts, Stella Palau, Führerin des Skingirlfreundeskreises Deutschland
(SFD). Die Ehe wurde bezeichnenderweise am 20. April diesen Jahres, dem
Geburtstag Adolf Hitlers, geschlossen. Stella Palau zeichnet für
die Homepage des SFD verantwortlich (www.s-f-d.de). Der SFD ist nach eigener
Darstellung „eine gut funktionierende Parteien unabhängige
Frauen- und Mädelkameradschaft“ (Schreibweise im Original).
Eine „ernste nationale Grundeinstellung“ wird vorausgesetzt.
Neben einer frauenspezifischen Brauchtumspflege - „wir kämpfen
für dieses urgermanische Prinzip der Gleichwertigkeit von Frau und
Mann“ -, der in verschiedenen Interessengemeinschaften gefrönt
wird, beteiligt sich der SFD intensiv an dem Braunen Kreuz, einem „nationalen
Sanitätsdienst“. Das Braune Kreuz gewährleistet die medizinische
Versorgung auf Veranstaltungen der Kameradschafts-Szene.
Der SFD und das Braune Kreuz sind eng verbunden mit der Nazirock-Szene.
Auch das jüngste Nazi-Konzert am 5. August in Hamburg-Billstedt,
organisiert von Mitgliedern der Nazi-Skinhead Organisation Blood &
Honour (Blut und Ehre), wurde von „SFD-Mädels“ besucht:
„Fazit: ein wirklich klasse Konzert. Gut organisiert, großes
Lob!“ (siehe auch unsere Pressemitteilung v. 7.8.00)
Schweigert, Oliver Carsten
Führungsperson der neonazistischen Freien Kameradschaften in Berlin
Jahrgang 1968
gelernter Maschinenschlosser
verheiratet mit Stella, geb. Palau
Oliver Carsten Schweigert gehört seit den späten achtziger
Jahren zu den einflußreichsten Mitgliedern der Berliner Neonazi-Szene.
Als Westberliner Führungskader der Gesinnungsgemeinschaft der Neuen
Front (GdNF) um den verstorbenen Michael Kühnen, Mitglied in der
verbotenen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) und Parteivorsitzender
der Nationalen Alternative (NA) war Schweigert an allen wesentlichen Organisationen
der Neonazis beteiligt. Oliver Schweigert ist Drahtzieher der sogenannten
„Anti-Antifa“-Kampagne in Berlin, auf seine Wehrsportaktivitäten
und seine Gewaltbereitschaft wurde mehrfach hingewiesen.
In den letzten Jahren ist Schweigert zum Anführer der sogenannten
„Freien Kameradschaften“ in Berlin aufgestiegen. Er meldete
in den vergangenen Monaten u.a. die Gedenkdemonstrationen und Mahnwachen
für den SA-Mann Horst Wessel im Februar 2000 und die untersagte Rudolf-Hess-Demonstration
an. Auch bei Demonstrationen der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands
(NPD) fungiert Schweigert als Ordner.
Laut einer Verbotsverfügung der Innenbehörde aus dem Februar
2000 wurden in den Jahren 1998 und 1999 sieben Ermittlungsverfahren gegen
Schweigert eingeleitet.
Aktivitäten:
In den späten achtziger Jahren führt die Polizei verschiedene
Ermittlungsverfahren gegen Schweigert, u.a. wegen Sachbeschädigung
und verfassungsfeindlicher Propaganda.
Seit 1986 ist S. Aktivist der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei
(FAP).
1987 wird S. am Rande der Hess-Gedenkdemonstration in Wunsiedel wegen
Waffenbesitzes festgenommen.
1989 kandidiert S. bei den Abgeordnetenhauswahlen für die Freiheitspartei.
Anfang der neunziger Jahre wird S. Bereichsleiter Ost der Gesinnungsgemeinschaft
der Neuen Front (GdNF) unter Michael Kühnen.
1990 wird er Ortsverbandsvorsitzender der Deutschen Alternative (DA).
Ab 1990 beteiligt sich S. an der „Nationalen Alternative“
in Berlin-Lichtenberg, die zur Landespartei der von Kühnen-Anhängern
kontrollierten DA umgebaut werden soll. Er wird stellvertretender Vorsitzender
deren Bürgerinitiative WOSAN und am 26.9.90 Vorsitzender der NA.
S. führt ideologische Schulungen durch.
Am 17.11.1991 beteiligt sich S. als Ordner an dem Nazi-Aufmarsch in Halbe
/ Brandenburg. Im gleichen Jahr ist S. laut Aussagen von Ingo Hasselbach
an der Gründung der „Sozialrevolutionären Nationalisten“
(SRN) beteiligt, einer Zelle der illegalen NSDAP/AO.
Im Mai 1992 kandidiert er für „Die Nationalen“ zur Bezirksverordnetenversammlung
in Berlin-Lichtenberg.
09/1992: Die NATIONALE ALTERNATIVE, Frontorganisation der GdNF führt
in der Nähe von Müncheberg die Wehrsportübung "Operation
Wehrhase" durch. Daran beteiligten sich ein gutes Dutzend Kameraden
unter Anleitung von Oliver Schweigert. Solche Wehrsportlager finden alle
paar Monate statt, regelmäßig auch rund um Berlin.
Im August 1994 wird Schweigert zusammen mit 26 weiteren Aktivisten im
Wohnhaus von Arnulf Priem verhaftet. Die Gruppe hatte sich aus Anlaß
einer gegen Priem gerichteten Demonstration bewaffnet und im Haus versammelt.
Im August 1996 wird S. zu vier Monaten ohne Bewährung wegen der Verbreitung
von Propaganda der NSDAP/AO verurteilt. U.a. waren Druckvorlagen in seiner
Wohnung gefunden worden.
Im August 1997 meldet S. eine Demonstration unter dem Motto "Rudolf
Heß, vor zehn Jahren ermordet - Mord verjährt nicht".
Diese Demonstration wurde verboten. S. wird beim versuchten Hess-Gedenkmarsch
in Königslutter festgenommen.
Im August 1999 ist S. Anmelder einer Demonstration in Strausberg, die
sich gegen ein dortiges Antifa - Konzert richtet. Die Demonstration wird
untersagt.
Im Oktober gehört S. zum Kreis von zwölf Neonazis, bei denen
wegen des Verdachtes der Bildung einer kriminellen Vereinigung Durchsuchungen
stattfinden. Die Ermittlungen beziehen sich auf sogenannte „Anti-Antifa“-Aktivitäten,
an denen S. schon seit 1992 maßgeblich beteiligt ist.
Im Februar 2000 ist S. Anmelder des Horst Wessel Gedenkmarsches, der u.a.
wegen der Person des Anmelders untersagt wird. Das Verbot wird von den
Gerichten bestätigt. Trotzdem finden Mahnwachen am Friedhof in Berlin-Prenzlauer
Berg statt, an denen sich 20 - 30 Nazis aus der Kameradschafts-Szene beteiligen.
Im August diesen Jahres ist S. Anmelder eines Hess-Gedenkmarsches in Berlin.
Die Veranstaltung ist z.Z. polizeilich untersagt.
Presseresonanz:
taz, 17.08.2000
Neonazi fürs Netz geschult
Von Philipp Gessler
BILD, 18.08.2000
Auch das noch: Arbeitsamt schult Neonazi fürs Internet
Berliner Kurier, 18.08.2000
Rechter mobil im Internet - mit Hilfe des Arbeitsamts?
Von Gerhard Lehrke
ND, 18.08.2000
Raus aus dem Netz!
Von Karin Nölte
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