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07.08.2000
Das Antifaschistische INFO-Blatt (AIB) und das Antifaschistische Pressearchiv
und Bildungszentrum e.V. (APABIZ) warnen:
Das neonazistische Netzwerk Blood & Honour ruft öffentlich
zum bewaffneten Kampf auf!
Hamburger Polizei leistet Beihilfe zur Organisierung der militanten Neonaziszene!
Seit 14 Tagen ruft das internationale Neonazinetzwerk Blood & Honour
zum bewaffneten Kampf auf. Auf den Webseiten der Blood & Honour Sektion
Skandinavien verbreitet das Netzwerk unter dem Titel "The Way Forward
- Der Weg in die Zukunft" ein mehrseitiges Strategiepapier, das mit
der Aufforderung endet: "Die Zeit des Geredes ist wirklich vorbei.
Wir haben ein Stadium erreicht, in dem JEGLICHE Form der Aktion der Inaktivität
vorzuziehen ist. (...) Laßt uns unsere Schreibtische verlassen und
das multikulti, multikriminelle Inferno von ZOG zerstören."
Autor des Strategiepapiers, das mit dem Pseudonym "Max Hammer"
unterzeichnet ist, ist der in Norwegen geborene langjährige Neonazikader
Erik Blücher. Blücher lebt seit mehreren Jahren in Schweden
und betreibt gemeinsam mit dem deutsch-dänischen Neonazikader Marcel
Schilf den Versand von Blood & Honour Skandinavien, über den
Rechtsrock, Propagandamaterial und die notorischen "Kriegsberichter"-
Videos vertrieben werden. Zweidrittel aller Kunden, die dem AIB und APABIZ
bekannt sind, sind deutsche Neonazis, die das in Deutschland mehrheitlich
indiziierte Material oft kiloweise in Schweden ordern. Erik Blücher
verfügt über enge Kontakte zur norddeutschen Neonaziszene, u.a.
zum Hamburger Neonazianführer Christian Worch, und zu Combat 18.
In der ersten Jahreshälfte den letzten Monaten besuchten mehrere
langjährige deutsche Neonazikader ihre schwedischen Gesinnungsgenossen
bei Konzerten und Versammlungen.
In "The Way Forward" gibt Erik Blücher die Strategie für
den militantesten Arm der internationalen Neonazibewegung vor: "Die
englische Terrororganisation "Combat 18 muß als bewaffneter
Arm der Blood & Honour Bewegung agieren", schreibt Blücher.
Dieser bewaffnete Arm wird in dem Text auch als "Armee von Blood
& Honour" bezeichnet. Vorbild für Blood &Honour sei
die Waffen-SS: "Das Konzept der Waffen-SS enthält alle Prinzipien
sowie den wahren Geist unserer Überzeugung in seiner reinsten Form,
von der wir unsere Inspiration zur Organisierung einer neuen Legion arischer
Gladiatoren beziehen müssen."
Auch die Angriffsziele werden in dem Text benannt: In der antisemitischen
Verschwörungstheorie der Neonazis stehen staatliche RepräsentantInnen,
JournalistInnen und PolitikerInnen im Dienst einer "jüdischen
Weltverschwörung", die sogenannte "ZOG - Zionistische Besatzungsregierung."
Das AIB und APABIZ weisen ausdrücklich auf den explizit antisemitischen
Charakter der Blood &Honour Publikationen, Musik- und Videoproduktionen
hin: Niemand sollte sich von der vermeintlich antistaatlichen Haltung
von Blood &Honour täuschen lassen: Kern Herzstück ihrer
neonazistischen Ideologie ist ein eliminatorischer Antisemitismus. Dass
die Botschaft von B&H bei den jugendlichen KonsumentInnen und rechtsextremen
Aktivisten längst angekommen ist, zeigen die steigende Zahlen antisemitischer
Grabschändungen, die Sprengstoffanschläge auf das Grab von Heinz
Galinski in Berlin und u.U. auch der Bombenanschlag von Düsseldorf.
Ulli Jentsch, Sprecher des AIB und APABIZ erklärt: "Bei dem
Strategiepapier von Blood and Honour handelt es sich um einen eindeutigen
Aufruf zum bewaffneten Kampf, der in dieser Form einmalig ist. Zu derartigen
Aktionen wird per Internet aufgerufen. Die Waffenfunde bei Blood &
Honour Kadern, die eindeutige Propaganda für die Waffen-SS in der
Ausgabe Nr. 9 der deutschen Blood&Honour Progandazeitschrift im Frühjahr
diesen Jahres und die Drohungen der Blood&Honour Sektion Weser-Ems,
dem Vorbild von Kay Diesner zu folgen und gewaltsam gegen Polizeibeamte
vorzugehen, zeigen, dass die aus Skandinavien vorgegebene Strategie in
Deutschland längst Fuß gefaßt hat. Das Bundesamt für
Verfassungsschutz verharmlost die Bedeutung und den Einfluß von
Blood & Honour innerhalb der rechtsextremen Szene Deutschlands systematisch.
Wir warnen ausdrücklich davor, die Bedrohung, die vom Blood &
Honour Netzwerk ausgeht, zu unterschätzen."
Ein Beispiel dafür, dass sämtliche Diskussionen von politischen
Verantwortlichen über den Umgang mit militanten Neonazis Schall und
Rauch sind, die von den Exekutivbehörden vor Ort keineswegs ernst
genommen werden, ist das Blood&Honour Konzert in Hamburg-Billstedt
am 5. August 2000. Nach wie vor verharmlost die Polizei die Tatsache,
dass sich 400 militante Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet ungestört
zu einem Konzert mit der britischen Blood & Honour Band "Legion
of St. George" und der deutschen Band "Noie Werte", deren
CD »Kraft für Deutschland« schon 1992 indiziiert wurde,
unter dem Schutz von 300 Polizeihundertschaften versammeln konnten. Die
Hamburger Polizei behauptet, es habe sich um eine private Verlobungsfeier
gehandelt. Einer der Konzertorganisatoren, Torben Klebe, der zum engen
Kreis um das Neonazimagazin "Hamburger Sturm" gehört, ist
eine wichtige Verbindungspersonen von Blood & Honour Deutschland zu
skandinavischen Gesinnungsgenossen. Er hatte schon am Wochenende 22/23.7.
im niedersächsischen Holvede ein Konzert mit der Magdeburger Blood
& Honour Band "Sperrfeuer" organisiert. Bei dem Versuch
der niedersächsischen Polizei, das Konzert zu beenden, wurden die
Beamten vom rechtsextremen Publikum angegriffen. Sechs Polizeibeamte wurden
verletzt.
Ulli Jentsch sagt dazu: "Bei Blood & Honour Konzerten handelt
es sich nicht nur um die Verbreitung antisemitischer und nationalsozialistischer
Propaganda per Musik. Derartige Konzerte dienen auch dazu, Kampagnen und
Aktionen der militanten Neonaziszene vorzubereiten. Das Vorgehen der Hamburger
Sicherheitsbehörden am vergangenen Wochenende muß daher als
Beihilfe zur Organisierung der militanten Neonaziszene bewerten werden."
Für weitere Informationen über Blood & Honour verweisen
wir u.a. auf:
"White Noise - Rechts-Rock, Skinhead-Musik, Blood & Honour -
Einblicke in die internationale Neonazi-Musik-Szene", Hamburg, 2.
Auflage Juli 2000, Hrsg. "reihe antifaschistischer texte", Searchlight,
Antifaschistische INFO-Blatt und "Enough is Enough" sowie auf
das Antifaschistische INFO-Blatt Nr. 49, Oktober/November 1999 u. Nr.
50, April/Mai/2000.
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