Kontrolle, Strafe und Ausschluss als kriminal- und sicherheitspolitische
Strategien im 21. Jahrhundert
Sicherheit hat Vorfahrt. In verschiedenen Ländern steigen die Gefangenenzahlen,
werden mehr Menschen zu längeren Freiheitsstrafen verurteilt. Wo
es notwendig erscheint, werden „Gefährliche“ auch ohne
Verfahren und Urteil in Lager gesperrt. Während der Staat einerseits
repressiver agiert, nimmt andererseits die Kontrolle der Gesellschaft
umfassendere Züge an: die verdachtsunabhängige Vorratsspeicherung
von Telekommunikationsdaten ist beschlossen; die Diskussion über
die Nutzung von Bewegungsdaten sämtlicher KfZ hat begonnen; die Videoüberwachung
weitet sich ebenso aus wie die Nutzung biometrischer Daten, etwa in Pässen.
Entwicklungen, die vor zwanzig Jahren noch zu erheblichen Protest in der
Bevölkerung geführt hätten, werden heute weitgehend akzeptiert
– der öffentliche (Un-)Sicherheitsdiskurs zeitigt Folgen.
Der Vortrag beschreibt das Wesen und Wirken dieser neuen Techniken und
Mechanismen. Davon ausgehend wird der Versuch unternommen, den sich darin
widerspiegelnden grundlegenden Wandel sozialer Kontrolle in den vergangenen
Jahren zu erfassen: Von einem strafenden Wohlfahrtsstaat, der vornehmlich
auf Besserung und Reintegration setzt, hin zu einer Sicherheitsgesellschaft,
in der sämtliche Grundwerte dem Ziel der Sicherheit untergeordnet
werden. Die Gründe für diesen Wandel sind sowohl in den gesellschaftlichen
Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte, als auch in einem veränderten
Verständnis von Sicherheit und sozialen Problemen sowie dem Wirken
einflussreicher Akteure und Ideologien zu suchen.
Der Vortrag ist vorrangig als Abendveranstaltung konzipiert.
Technik: ggf. Overheadprojektor
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