Chronologie antisemitischer Vorfälle 2003 vorgelegt

Mindestens 35 Schändungen von Friedhöfen und Gedenkstätten

BRD / Antisemitismus / Chronologie

Drei Berliner Projekte gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus legen heute der Öffentlichkeit eine Chronologie antisemitischer Vorfälle in 2003 vor.

Das Thema Antisemitismus war auch im Jahr 2003 Anlass breiter gesellschaftlicher Debatten. Eine von apabiz e.V., ReachOut und tacheles reden! e.V. erstellte bundesweite Chronologie dokumentiert aktuell gewalttätige und verbale Attacken auf Juden, Sachbeschädigungen an jüdischen Einrichtungen sowie Schändungen von jüdischen Friedhöfen oder KZ-Gedenkstätten aus dem vergangenen Jahr. Wir schreiben damit in den vergangenen Jahren erschienene Dokumentationen fort.

Die Chronologie weist alleine 35 Schändungen jüdischer Friedhöfe oder von Mahn- und Gedenkstätten nach, was keinesfalls als vollständig bezeichnet werden kann. Die Dunkelziffer ist nach Aussagen jüdischer Gemeinden auch hier hoch.

Die Debatte um die Äußerungen des CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann haben die Latenz und (verbale) Aggressivität antisemitischer Haltungen nicht nur am rechtskonservativen Rand der Unionsparteien demonstriert. Eine Bestandsaufnahme antisemitischer Einstellungen in der bundesrepublikanischen Bevölkerung kann und will die Chronologie nicht leisten. Die hier aufgeführten Fälle belegen vielmehr solche antisemitischen Handlungen, die in der einen oder anderen Art “strafrechtlich relevant” sind.

Einen besonderen Hinweis verdient der Umstand des Brandanschlages auf die Gedenkstätte Belower Wald vom September 2002. Im vergangenen Jahr schrieben wir dazu, dass diese Tat einzureihen sei in “auffällige Serien antisemitischer Schändungen” in Nordbrandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Eine Sonderkommission kam zu dem Ergebnis, dass die Belower Täter für sieben weitere politisch motivierte Straftaten in eben dieser Region verantwortlich sein müssen (siehe Meldung vom 1. April 2003). “Dies bestätigt unsere Vermutung, dass in diesen Fällen organisierte Gruppen gewalttätiger Antisemiten tätig sind.”, so ein Sprecher des apabiz.

Gemeinsame Pressemitteilung von

Apabiz e.V. – Antifaschistisches Presse-Archiv und Bildungszentrum Berlin Tacheles reden! Gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus e.V. ReachOut – Opferberatung und Bildung gegen Rechtsextremismus und Rassismus

Die vollständige Chronologie kann als pdf-Format eingesehen oder herunter geladen werden.

Chronologie antisemitischer Vorfälle 2003 (pdf, 35 kB)