|
Information für die Presse am 29.05.2007
Die neonazistische Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) -
Eine Nachfolgeorganisation der verbotenen Wiking-Jugend (WJ) ?
Stellungnahme des Bündnis gegen Rechts Aschaffenburg / Miltenberg
zu Aktivitäten der HDJ in Unterfranken
Ergänzung zum Fernsehbeitrag „Ferien im Führerbunker“,
ARD, „Panorama“ vom 24.05.2007
Nationalsozialistische Jugendorganisationen zielen darauf ab, Kindern
und Jugendlichen ein menschenverachtendes Weltbild von der angeblichen
Überlegenheit der eigenen “weißen Rasse“ über
zu vermitteln. Sie tarnen sich als Pfadfindergruppen und führen dabei
paramilitärische Übungen und Ideologieschulungen durch. Dabei
treten sie einheitlich in einer Nachempfindung der Uniform der Hitlerjugend
auf. So beschwören Sie am Lagerfeuer und bei Fackelzeremonien ein
neues Reich nach altem Vorbild herauf.
Neo-Nationalistische Organisationen in der Tradition der Hitler-Jugend
(HJ) sind auch Jahre nach dem Verbot der Wiking-Jugend (WJ) in Unterfranken
aktiv, zum Beispiel als Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ). Hier leben
und agieren auch die Führerinnen der regionalen HDJ-„Leitstelle
Süd“, sowie der regionalen Einheiten Franken und Hessen.
Im bayrischen Verfassungsschutzbericht ist die HDJ nicht aufgeführt,
obwohl laut Main Echo vom 21.04.07 die Staatsschutzabteilung der Polizei
Kenntnisse von Aktionen, zum Beispiel Wehrübungen, im Landkreis Miltenberg
hat. Der Panorama-Beitrag Ferien im Führerbunker“ am 24.05.07
zeigte schockierende Bilder von uniformierten Kindern, die in Marschformation
exerzieren und den Eid auf die Fahne schwören. Diese Bilder stammen
vom Pfingstlager der HDJ im Juni 2006 im Großraum Würzburg.
Auch das Pfingstlager 2005 fand mit 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern
in Franken statt.
Ein Schwerpunkt der HDJ in Unterfranken ist Alzenau (Lkr. Aschaffenburg).
Hier existiert das Postfach 1269, das unter dem Namen "HDJ Leitstelle
Süd" firmiert. Es wird auf der HDJ-Homepage als zentrale Anlaufstelle
für Interessierte aus ganz Süddeutschland angeführt. Ebenfalls
wird das Postfach zur Koordination der Einheiten Franken und Hessen genutzt.
In Alzenau ansässig ist Familie Ringmayer. Christine Ringmayer war
von 1989 bis 1993 Fraktionsvorsitzende der NPD im Frankfurter Römer.
Heute ist sie Regionalleiterin für den „Freundes- und Familienkreis
der HDJ“.
Ihre Tochter Annika ist Einheitsführerin der HDJ Hessen. Ihr Sohn
Thorben ist ebenfalls Aktivist der HDJ und soll nach Zeugenaussagen bei
rechtsradikalen Aktionen im März 2007 in Alzenau beteiligt gewesen
sein.
Kaum eine andere Familie ist so stark mit der HJ-Nachfolge verbunden
wie die Familie Nahrath. Über 30 Jahre bis zum Verbot der Wiking-Jugend
WJ war die Bundesführung der Organisation in den Händen der
Familie. In Weilbach (Lkr. Miltenberg) lebt die Familie von Dirk Nahrath,
der bis zum Verbot der WJ „Gauführer Franken“ war. Deshalb
führte die Polizei 1994 eine Hausdurchsuchung bei ihm durch. Tochter
Frauke ist heute Einheitsführerin der HDJ Franken. Sein Sohn Wolfram,
ebenfalls aktiv in der HDJ, entscheidet als „unparteiischer“
Schiedsrichter im Fußballkreis Aschaffenburg/Miltenberg.
Eine Auswahl von Aktivitäten der HDJ in Franken:
- April 2004 Osterfahrradfahrt von Weilbach nach Buhlsbach/Ansbach
- Juni 2004 Sommersonnwendfeuer bei Ansbach
- Okt. 2004 Erntedankfest der Einheiten Franken und Hessen bei Ansbach
- Nov. 2004 Herbstseminar auf einem Privatgrundstück in Obersinn
(LK Main-Spessart)
- Nov. 2004 Heldengedenkfeier am Grab des Ritterkreuzträgers Hans
Ulrich Rudel in Dornhausen
- März 2005 Winterseminar auf einem Privatgrundstück in Obersinn
- Juni 2005 Pfingstlager in Franken
- März 2006 Winterseminar In Rothenburg ob der Tauber
- Juni 2006 Pfingstlager im Raum Würzburg
Als Beispiel für die inhaltliche Gestaltung der Aktivitäten
im Raum Franken ein Auszug aus einem internen HDJ-Bericht:
„An diesem Wochenende fand in Franken das Herbstseminar der
HDJ statt. Neben Unterrichten über Menschenführung, Rhetorik,
Lagersicherheit, Argumentation und Heimabendgestaltung fand am gestrigen
Nachmittag auch der alljährliche Bundes-Jugendtag statt. Beschlossen
wurden u.a. die Termine für das kommende Fahrtenjahr, die demnächst
in Form des Fahrtenplanes an alle Kameraden verschickt werden. Außerdem
wurden die Kameraden Denis und Tomi aus der Einheit Preußen zu Unterführern
ernannt. Ihr dauerhafter, aktiver Einsatz u.a. in der Organisation und
Durchführung von regelmäßigen Heimabenden ließen
entsprechende Eignung erkennen. Des weiteren wurden Annika und Andreas
G. aus der Einheit Hessen, sowie Frauke aus der Einheit Franken zu Einheitsführern
befördert. Ihnen wünschen wir an dieser Stelle bei der weiteren
Erfüllung ihrer kommenden Aufgaben und Pflichten viel Erfolg.“
Die HDJ ist kein harmloser Trachtenverein mit harmloser Lagerfeuerromantik.
Das Hauptziel der HDJ ist es, so früh wie möglich Kinder und
Jugendliche an sich zu binden um so die folgenden Generationen von Neo-Nazis
auszubilden. Dabei werden nicht nur revisionistische Geschichtsseminare
abgehalten oder ein traditionelles Rollenverständis von Mann und
Frau vermittelt, sondern auch Wehrsportübungen durchgeführt.
Die HDJ ist eine neonazistische, rassistische und sexistische Organisation,
die offensichtlich in politischer und personeller Kontinuität mit
der verbotenen Wiking-Jugend steht.
Wir fordern:
- Eine breite öffentliche Thematisierung des Vorhandenseins von
Rechtsradikalismus in diesem Land, insbesondere der Aktivitäten
der HDJ.
- Keine Vergabe von Zeltplätzen, Grillhütten und sonstigen
Einrichtungen an neonazistische Organisationen.
siehe auch:
Main-Post vom 25.10.2006 „Die Nachbarn hatten Angst“
Main-Post vom 25.09.2006 „Zeuge erinnert sich an nichts“
Main-Echo vom 21.04.2007 „Sind Neonazis in Alzenau aktiv?“
http://www.nadir.org/nadir/periodika/aib/archiv/58/18.pdf
http://www.apabiz.de/archiv/material/Profile/HDJ.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Heimattreue_Deutsche_Jugend
Für weitere Informationen stehen das apabiz in Berlin unter 030-6116249
sowie das Antifaschistische Infobüro Rhein-Main in Frankfurt unter
01577-2501512 zur Verfügung.
Bitte beachten Sie auch anhängende Presseerklärung vom apabiz
vom 24.5.2007.
Mit freundlichen Grüßen
Werner Ehrlich / Bündnis gegen Rechts Aschaffenburg/ Miltenberg
Bei Nachfragen sowie für weitere Informationen über Unterfranken
steht Ihnen gern Herr Ehrlich zur Verfügung: w.ehrlich at no-log.org
|