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Profil: Deutsches Kulturwerk Europäischen Geistes (DKEG)

 

Deutsches Kulturwerk Europäischen Geistes (DKEG)

Stand des Artikels: 1996

Gründung: 26. Oktober 1950

Sitz: 80333 München

Funktionäre: Herbert Böhme (Gründer und Präsident bis 1971 †), Karl-Günther Stempel (Präsident seit 1972), Dr. Werner Koeppen (Stellvertreter). Weitere Mitglieder sind bzw. waren: Herbert Hertlein, Alfred E. Manke, Reinhard Pozorny, Hans Grimm, Ernst G. Kolbenheyer, Will Vesper, Theodor Seidenfaden, Hans Venatier.

Struktur: Das Deutsche Kulturwerk europäischen Geistes (DKEG) wurde von ca. 30 Personen unter Federführung von Herbert Böhme gegründet. In der Folgezeit vereinigen sich im DKEG überwiegend »kulturschaffende« Personen, die sich der »Pflege volkhaft-konservativer Literatur«[1] verschrieben haben. Versehen mit 100.000 DM Starthilfe durch den Stifterverband der deutschen Industrie schafft das DKEG bundesweit sogenannte »Pflegstätten« als kulturelle Zentren, von denen sechs Jahre später bereits 68 und Anfang der 60er Jahren schon über 100 (bei etwa 2.000 Mitgliedern) existieren. 1970 gründen Mitglieder des DKEG die Deutsche Akademie für Bildung und Kultur und die Deutsche Kunststiftung der Wirtschaft. 1979 spaltet sich die Deutsche Kulturgemeinschaft (DKG) unter der Regie von Alfred E. Manke und Gernot Mörig (Bund Heimattreuer Jugend) ab. Das DKEG-Österreich schließt sich unter Beibehaltung seines Namens der DKG an.

Aktivitäten: Neben der Kulturarbeit in den »Pflegstätten« und der Beteiligung an den »Lippoldsberger Dichtertagen« richtet das DKEG Gästewochen (1953 bis 1956) und seit 1960 jährliche Dichtertreffen aus. Diese »Tage Deutscher Kultur« finden überwiegend in der Nähe von München statt. Auf ihnen werden diverse Preise, Ehrenringe und -nadeln vergeben, darunter der mit 10.000 DM dotierte Schillerpreis, die Kant-Plakette und der Herbert-Böhme-Gedächtnispreis. Im Oktober 1969 finden die »Tage Deutscher Kultur« in Planegg statt. An ihnen nehmen ca. 1.400 Personen teil. Das DKEG beteiligt sich ab 1970 an der Aktion Widerstand, in der DKEG-Mitglieder führende Funktionen bekleiden. Im Oktober 1994 finden die »Tage Deutscher Kultur« in Bad Bevensen mit nur noch etwa 50 Teilnehmern statt.

Periodika: Seit 1949 erscheinen die Klüter Blätter. Deutsche Sammlung aus europäischem Geist, denen die Mitteilungen des DKEG beigelegt sind. Die Autoren der Klüter Blätter entstammen meist dem DKEG und seinem Umfeld. Der langjährige Herausgeber Gert Sudholt vereinigt 1982 die Klüter Blätter mit dem Politischen Zeitspiegel zu den Deutschen Monatsheften. Diese gehen 1990 in Nation und Europa auf.

Programmatik: Die Gründer stellten fest, »daß eine Gemeinschaft erforderlich sei, die dem offenbaren Zerfall der Volkheit das Volk-Bildende entgegenstelle und sich zu bekennen den Mut habe«. Man sei »überdrüssig der uns unentwegt angetanen Beleidigungen als Volk, das zwar den Krieg, längst aber noch nichst sich selbst verlieren mußte«.[2] Das DKEG definiert sich selbst als »Tatgemeinschaft für die Erhaltung der deutschen Kultur«. Dabei greift es unter dem Leitmotto »Aller Anfang ist deine Anständigkeit« vor allem die angebliche »Umerziehung« des deutschen Volkes durch die Alliierten und die »Volksvernichtung durch Erdrosselung der seelischen Kräfte« an.[3]

Zusammenarbeit: 1955 Gründung der Schiller-Jugend auf Initiative von Mitgliedern des DKEG, die als Jugendorganisation fungieren sollte und an der sich neben dem Coburger Convent und der Deutschen Burschenschaft auch die Wiking Jugend beteiligt. 1962 werden die Führer wegen Rädelsführerschaft in einer verfassungsfeindlichen Organisation zu Gefängnisstrafen verurteilt. 1965 Gründung des Arbeitskreises Volkstreuer Verbände durch Herbert Böhme. Enge Zusammenarbeit verbindet das DKEG mit dem Bund Heimattreuer Jugend und der Gesellschaft für freie Publizistik (GFP), zu deren Mitbegründern Böhme gehört. In den 60er Jahren treten Mitglieder des DKEG in großer Zahl der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands bei.

Bedeutung: Von Beginn an diente das DKEG neben der Erhaltung und Restauration einer völkischen Kulturpropaganda auch der organisationsübergreifenden Sammlung rechtsextremer Kräfte. Es ist Mitte der 60er Jahre die größte überparteiliche Organisation des deutschen Nachkriegsfaschismus und erreicht mit der Beteiligung an der Aktion Widerstand die Zeit seines größten Einflusses. Dem Tod der beherrschenden Integrationsfigur Herbert Böhme 1971 folgen interne Richtungskämpfe in den 70er Jahren. Die zunehmende Überalterung des DKEG und die Spaltung 1978 führten zur nahezu vollständigen Bedeutungslosigkeit der Organisation. Sie vereinigt nur noch wenige Aktivisten aus den Kreisen des Witikobundes und der GFP. (B)

Autoren: Michael Bauerschmidt, Susanne Brandt, Ulli Jentsch, Kurt Ohrowski

Quelle: Mecklenburg, Jens (Hg.): Handbuch Deutscher Rechtsextremismus, Berlin 1996, S.253-255

Anmerkungen:

[1] Vgl. B. Engelmann: Das »Deutsche Kulturwerk Europäischen Geistes«. München 1979.

[2] Zitiert nach M. Jenke: Die nationale Rechte. Berlin 1967. S. 159.

[3] Zitiert nach P. Dudek; H.-G. Jaschke: Entstehung und Entwicklung des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik. Opladen 1984, S. 45.

Weitere Materialien:

Gert Sudholt vereinigt 1982 die Klüter Blätter mit dem Politischen Zeitspiegel zu den Deutschen Monatsheften. Diese gehen 1990 in Nation und Europa auf.

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